Die hohen Benzin- und Dieselpreise bringen einen fast vergessenen Antrieb zurück ins Gespräch. Autogas, kurz LPG, kostet an vielen Tankstellen nur etwa halb so viel wie Benzin. Zwar verbrauchen LPG-Autos mehr Kraftstoff. Dennoch fallen ihre Kosten pro gefahrenem Kilometer meistens deutlich niedriger aus. Das zeigt sich inzwischen auch bei den Neuzulassungen. Besonders Dacia profitiert vom neuen Interesse an bivalenten Fahrzeugen. Diese Autos besitzen einen Benzin- und einen Gastank. Damit verbinden sie niedrige Tankkosten mit einer hohen Reichweite. Ein großer Durchbruch ist trotzdem nicht zu erwarten. Das Angebot bleibt klein, und die politischen Vorgaben richten den Markt klar auf Elektromobilität aus.
Das Wichtigste in Kürze
- Autogas kostet derzeit erheblich weniger als Benzin und Diesel.
- LPG-Fahrzeuge benötigen rund 15 bis 20 Prozent mehr Kraftstoff als vergleichbare Benziner.
- Trotz des Mehrverbrauchs sinken die Kraftstoffkosten pro 100 Kilometer deutlich.
- Dacia ist mit Sandero, Jogger, Duster und Bigster der wichtigste LPG-Anbieter.
- Die EU-Regeln für 2035 begrenzen die langfristige Perspektive klassischer Gasfahrzeuge.
Warum ist Tanken mit Autogas fast um die Hälfte günstiger?
Autogas kostet pro Liter wesentlich weniger als Superbenzin. Obwohl LPG-Fahrzeuge rund 15 bis 20 Prozent mehr verbrauchen, können ihre Kraftstoffkosten pro 100 Kilometer etwa 35 bis 45 Prozent niedriger liegen. Die genaue Ersparnis hängt vom Fahrzeug, vom Verbrauch und vom örtlichen Tankstellenpreis ab.
Der Benzinpreis-Schock belebt Autogas neu
Autogas führte auf dem deutschen Automarkt lange ein Nischendasein. Im Sommer 2026 steigt das Interesse jedoch wieder. Der wichtigste Grund liegt an der Zapfsäule. Benzin und Diesel haben sich infolge höherer Rohölpreise stark verteuert. Am 13. Juli 2026 kostete ein Liter Super E5 in Deutschland durchschnittlich 2,10 Euro. Für Diesel wurden im Tagesdurchschnitt 2,02 Euro verlangt. Damit lagen beide Kraftstoffe deutlich über der Marke von zwei Euro.
Autogas blieb dagegen wesentlich günstiger. Je nach Region und Tankstelle bewegten sich die Preise zeitweise um etwa 1,07 bis 1,10 Euro pro Liter. Dadurch wirkt LPG für Vielfahrer wieder attraktiv. Besonders Pendler können ihre laufenden Kosten spürbar senken. Das gilt ebenso für Familien, die regelmäßig längere Strecken fahren. Auch Gewerbetreibende mit hoher Jahresfahrleistung profitieren von niedrigen Kilometerkosten.
Der neue Zulassungstrend zeigt sich bereits in den Statistiken. Im Juni 2026 wurden laut den veröffentlichten Angaben 2.121 Pkw mit Gasantrieb neu zugelassen. Gegenüber dem Vorjahresmonat entspricht das einem Plus von fast 58 Prozent. Damit bleibt der Markt klein, wächst jedoch auffällig schnell. Das Kraftfahrt-Bundesamt meldete für Juni zugleich eine starke Entwicklung der elektrischen Antriebe. Das Tesla Model Y führte dabei das Segment der batterieelektrischen Modelle an.
Von einem breiten Comeback kann dennoch keine Rede sein. LPG startet von einem sehr niedrigen Niveau. Schon wenige zusätzliche Fahrzeuge führen deshalb zu hohen prozentualen Zuwächsen. Trotzdem zeigt die Entwicklung, dass Verbraucher in Zeiten hoher Energiepreise nach bezahlbaren Alternativen suchen. Autogas schließt dabei eine Lücke zwischen klassischen Benzinern und teureren Elektroautos.
So groß ist die Ersparnis beim Tanken wirklich
Der Literpreis allein vermittelt zunächst den Eindruck, Autogas sei exakt halb so teuer wie Benzin. Für einen fairen Vergleich muss jedoch auch der höhere Verbrauch berücksichtigt werden. LPG besitzt einen geringeren Energiegehalt pro Liter. Deshalb benötigen Fahrzeuge im Gasbetrieb meist etwa 15 bis 20 Prozent mehr Kraftstoff. Ein Benziner mit sechs Litern Verbrauch kann im LPG-Betrieb beispielsweise rund sieben bis 7,2 Liter benötigen.
Trotzdem bleibt der Kostenvorteil erheblich. Bei einem angenommenen Benzinpreis von 2,00 Euro kosten sechs Liter Benzin zwölf Euro. Sieben Liter Autogas kosten bei einem LPG-Preis von 1,10 Euro dagegen nur 7,70 Euro. Die Ersparnis beträgt in diesem Beispiel 4,30 Euro je 100 Kilometer. Das entspricht knapp 36 Prozent.
Bei 15.000 Kilometern Jahresfahrleistung summiert sich der Unterschied auf rund 645 Euro. Bei 25.000 Kilometern wären es bereits etwa 1.075 Euro. Vielfahrer erzielen somit den größten finanziellen Vorteil. Allerdings verändern schwankende Kraftstoffpreise die Rechnung. Auch der tatsächliche Verbrauch spielt eine wichtige Rolle.
Die folgende Tabelle zeigt den Vergleich auf Basis der im Ausgangstext genannten Preisbereiche:
| Kraftstoff | Preis pro Liter | Beispielverbrauch | Kosten pro 100 km |
|---|---|---|---|
| Autogas LPG | 1,07 bis 1,10 Euro | 7,0 Liter | 7,49 bis 7,70 Euro |
| Super E10 | 1,97 bis 2,00 Euro | 6,0 Liter | 11,82 bis 12,00 Euro |
| Diesel | 1,90 bis 1,95 Euro | 5,5 Liter | 10,45 bis 10,73 Euro |
Die Tabelle macht einen wichtigen Unterschied deutlich. Autogas kostet zwar beim Tanken ungefähr die Hälfte. Die tatsächlichen Kilometerkosten halbieren sich wegen des Mehrverbrauchs jedoch nicht vollständig. Realistisch ist häufig eine Ersparnis zwischen 30 und 45 Prozent. Selbst dieser Wert kann über mehrere Jahre einen vierstelligen Betrag ausmachen.
Dacia selbst spricht davon, dass LPG bis zu 40 Prozent günstiger als Benzin sein kann. Der Hersteller weist zugleich darauf hin, dass der konkrete Vorteil von Preisen, Fahrweise und Verbrauch abhängt.
Dacia dominiert den kleinen LPG-Markt
Der aktuelle Aufschwung bei Gasfahrzeugen ist eng mit Dacia verbunden. Von den 2.121 im Juni 2026 zugelassenen Gasautos entfielen nach den genannten Daten 1.469 Fahrzeuge auf den Sandero Eco-G. Damit stellte ein einziges Modell rund 69 Prozent dieses Antriebssegments. Auch ein großer Teil der übrigen Zulassungen dürfte von weiteren Dacia-Modellen stammen.
Der Hersteller bietet LPG nicht nur in einem einzelnen Kleinwagen an. Der Sandero und der höher positionierte Sandero Stepway sind als Eco-G erhältlich. Hinzu kommen der Familienwagen Jogger und das SUV Duster. Auch der größere Bigster wird mit einem bivalenten Antrieb angeboten. Damit deckt Dacia mehrere Fahrzeugklassen ab.
Nach den aktuellen Herstellerangaben beginnt der Sandero Eco-G bei einer unverbindlichen Preisempfehlung von 14.790 Euro. Der Jogger Eco-G startet bei 17.990 Euro. Für den Duster Eco-G werden mindestens 18.990 Euro genannt. Der Bigster Eco-G beginnt bei 23.990 Euro. Überführungskosten und Sonderausstattungen kommen jeweils hinzu.
| Dacia-Modell | Antriebsart | Genannter Einstiegspreis |
| Sandero Eco-G | Benzin und LPG | 14.790 Euro |
| Sandero Stepway Eco-G | Benzin und LPG | 14.990 Euro |
| Jogger Eco-G | Benzin und LPG | 17.990 Euro |
| Duster Eco-G | Benzin und LPG | 18.990 Euro |
| Bigster Eco-G | Benzin und LPG | 23.990 Euro |
Beim Duster und Jogger können LPG-Ausführungen je nach Ausstattung sogar günstiger als bestimmte Benzin- oder Hybridvarianten sein. Kunden müssen somit nicht zwingend einen hohen Aufpreis für den alternativen Antrieb bezahlen. Das verbessert die Wirtschaftlichkeit bereits ab dem ersten Kilometer.
Andere Hersteller haben sich dagegen weitgehend zurückgezogen. Fiat, Opel und Volkswagen boten früher unterschiedliche Gasmodelle an. Heute konzentrieren sie sich vor allem auf Elektroautos und Hybride. Dadurch besitzt Dacia in Deutschland praktisch eine Sonderstellung. Der Hersteller setzt seit mehr als zehn Jahren auf ab Werk integrierte LPG-Systeme. Diese sind vollständig auf Motor, Elektronik und Kraftstoffanlage abgestimmt.
Zwei Tanks sorgen für Reichweite und Flexibilität
LPG-Fahrzeuge sind normalerweise bivalent aufgebaut. Sie besitzen einen Tank für Benzin und einen zusätzlichen Tank für Flüssiggas. Der LPG-Tank befindet sich bei vielen Modellen in der Reserveradmulde. Dadurch geht häufig kaum nutzbarer Kofferraum verloren. Allerdings steht dann oft kein vollwertiges Ersatzrad zur Verfügung.
LPG besteht überwiegend aus Propan und Butan. Das Gas wird unter Druck verflüssigt und im Fahrzeugtank gespeichert. Nach dem Start läuft der Motor zunächst kurz mit Benzin. Dadurch erreicht er die benötigte Betriebstemperatur. Anschließend schaltet das System automatisch auf Autogas um. Bei vielen Fahrzeugen kann der Fahrer den Kraftstoff auch manuell auswählen.
Ist der Gastank leer, fährt das Auto mit Benzin weiter. Der Fahrer bleibt deshalb auch in Regionen ohne LPG-Tankstelle mobil. Die Kombination beider Tanks ermöglicht eine besonders hohe Gesamtreichweite. Je nach Modell und Fahrweise sind deutlich mehr als 1.000 Kilometer ohne längeren Tankstopp möglich.
Die Bedienung unterscheidet sich kaum von einem normalen Benziner. Eine Anzeige informiert über den Füllstand des Gastanks. Zusätzlich gibt es meist eine Taste für den Wechsel zwischen beiden Betriebsarten. Das Betanken dauert nur wenige Minuten. Allerdings werden je nach Tankstelle und Fahrzeug unterschiedliche Adapter benötigt.
Der bivalente Aufbau hat auch einen psychologischen Vorteil. Fahrer müssen keine Reichweitenangst entwickeln. Zudem sind sie nicht vollständig von einer einzigen Kraftstoffart abhängig. Steigt der LPG-Preis ungewöhnlich stark, kann vorübergehend Benzin genutzt werden. Umgekehrt lässt sich bei hohen Benzinpreisen möglichst häufig mit Gas fahren.
Dieser Vorteil unterscheidet LPG deutlich von Erdgasfahrzeugen. Autogas und CNG sind nicht dasselbe. LPG wird als flüssiges Propan-Butan-Gemisch gespeichert. CNG besteht überwiegend aus komprimiertem Methan. Vor allem das deutsche CNG-Tankstellennetz schrumpft seit Jahren deutlich. Die Situation von Autogas ist etwas stabiler, obwohl auch dort die Abdeckung geringer als bei Benzin bleibt.
Warum Autogas trotz niedriger Preise eine Nische bleibt
Ein günstiger Kraftstoff garantiert noch keinen großen Markterfolg. Das zeigt die Geschichte des Autogases deutlich. Zwar wurden zeitweise viele Benziner nachträglich umgerüstet. Ein dauerhafter Massenmarkt entstand jedoch nicht. Dafür gibt es mehrere Gründe.
Der erste Nachteil ist das eingeschränkte Fahrzeugangebot. Käufer können fast nur noch zwischen verschiedenen Dacia-Modellen wählen. Wer eine bestimmte Marke, Karosserieform oder Leistungsklasse sucht, findet kaum passende Neuwagen. Gebrauchte LPG-Fahrzeuge erweitern zwar die Auswahl. Allerdings müssen Zustand und Wartung der Gasanlage sorgfältig geprüft werden.
Auch das Tankstellennetz ist kleiner. Eine Benzin- oder Dieselzapfsäule findet sich praktisch überall. LPG ist dagegen nicht an jeder Station erhältlich. Vor längeren Fahrten kann deshalb eine kurze Routenplanung sinnvoll sein. Dank des zusätzlichen Benzintanks entsteht daraus jedoch selten ein ernstes Mobilitätsproblem.
Hinzu kommen Wartung und Prüfungen. Gasleitungen, Ventile und Tank müssen technisch einwandfrei bleiben. Abhängig von Fahrzeug und Anlage können zusätzliche Inspektionsarbeiten notwendig sein. Nicht jede freie Werkstatt besitzt ausreichend Erfahrung mit LPG-Systemen. Kunden sollten daher vor dem Kauf nach einem geeigneten Betrieb in ihrer Nähe suchen.
Bei nachgerüsteten Fahrzeugen muss außerdem die Qualität der Anlage stimmen. Eine schlecht abgestimmte Umrüstung kann zu Motorschäden, Fehlzündungen oder erhöhtem Verschleiß führen. Ab Werk produzierte LPG-Fahrzeuge reduzieren dieses Risiko. Die Gasanlage ist dort Teil der Fahrzeugentwicklung und von der Herstellergarantie abgedeckt. Dacia betont ausdrücklich die werkseitige Integration und Zertifizierung seiner Eco-G-Systeme.
Autogas bleibt außerdem ein fossiler Energieträger. Es verursacht bei der Verbrennung weiterhin CO₂. Gegenüber einem vergleichbaren Benziner können die Emissionen zwar etwas niedriger ausfallen. Ein emissionsfreier Antrieb ist LPG jedoch nicht. Deshalb passt die Technologie nur begrenzt zur langfristigen europäischen Klimastrategie.
Was die EU-Regeln ab 2035 für LPG bedeuten
Häufig wird verkürzt behauptet, die EU verbiete ab 2035 sämtliche neuen Verbrenner. Rechtlich handelt es sich jedoch um CO₂-Flottenziele für Hersteller. Nach der derzeit geltenden Regelung sollen neu zugelassene Pkw und leichte Nutzfahrzeuge ab 2035 im Flottendurchschnitt keine CO₂-Emissionen am Auspuff verursachen. Ein klassisches LPG-Fahrzeug könnte dieses Ziel nicht erfüllen.
Damit wären neue reine Benzin-, Diesel- und LPG-Fahrzeuge nach dem geltenden Regelwerk faktisch kaum noch zulassungsfähig. Bereits zugelassene Fahrzeuge dürfen jedoch weiterfahren. Auch der Gebrauchtwagenhandel bleibt erlaubt. Niemand muss sein vorhandenes LPG-Auto im Jahr 2035 stilllegen.
Allerdings ist die politische Entwicklung noch nicht abgeschlossen. Die Europäische Kommission legte im Dezember 2025 einen Änderungsvorschlag vor. Danach könnten Hersteller ab 2035 statt einer vollständigen Reduktion ein Ziel von 90 Prozent erfüllen. Die verbleibenden Emissionen müssten durch bestimmte Maßnahmen kompensiert werden. Genannt werden unter anderem in der EU produzierter CO₂-armer Stahl sowie E-Fuels und Biokraftstoffe. Dadurch könnten Plug-in-Hybride, Range Extender, Mildhybride und einzelne Verbrenner auch nach 2035 eine Rolle spielen. Dieser Vorschlag ist jedoch vom aktuell geltenden Recht zu unterscheiden.
Für gewöhnliches fossiles LPG ergibt sich daraus keine sichere langfristige Perspektive. Denkbar wären dagegen erneuerbare Varianten wie Bio-LPG oder synthetisch produziertes Flüssiggas. Entscheidend wären deren Verfügbarkeit, Klimabilanz und regulatorische Anerkennung. Aktuell sind solche Kraftstoffe jedoch kein flächendeckender Ersatz für herkömmliches Autogas.
Der Markt bewegt sich deshalb in zwei Richtungen. Kurzfristig können LPG-Fahrer durch niedrige Kraftstoffpreise viel Geld sparen. Langfristig investieren die meisten Hersteller jedoch in Batterieautos und Hybridtechnik. Das erklärt, weshalb das aktuelle Wachstum eher ein Mini-Revival als eine dauerhafte Antriebswende darstellt.
Ein bislang wenig beachteter Blickwinkel betrifft den Gebrauchtwagenmarkt. Selbst wenn das Neuwagenangebot weiter schrumpft, könnten sparsame LPG-Modelle in den nächsten Jahren gefragter werden. Besonders interessant sind werkseitige Anlagen mit dokumentierter Wartung. Steigende Benzinpreise erhöhen ihren praktischen Wert. Gleichzeitig kann das begrenzte Modellangebot zu stabileren Restwerten führen. Käufer sollten jedoch das Alter des Gastanks, verfügbare Werkstätten und das regionale Tankstellennetz prüfen. Der größte finanzielle Vorteil entsteht nämlich nicht durch den niedrigen Literpreis allein. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Kaufpreis, Jahresfahrleistung, Wartung und späterem Wiederverkaufswert.
Fazit: Lohnt sich das Autogas-Revival?
Autogas ist keine neue Antriebsrevolution, aber eine überraschend günstige Antwort auf hohe Spritpreise. Trotz des höheren Verbrauchs sparen LPG-Fahrer bei jeder längeren Strecke deutlich. Besonders Dacia macht den Einstieg mit werkseitigen Anlagen und niedrigen Kaufpreisen attraktiv. Zwei Tanks bieten zudem Reichweite und Sicherheit. Das kleine Tankstellennetz sowie die unklare Perspektive nach 2035 begrenzen jedoch das Wachstum. Für kostenbewusste Vielfahrer kann ein LPG-Auto trotzdem eine kluge Übergangslösung sein, sofern Angebot, Wartung und regionale Versorgung passen.
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